Erfolg: Talent ist unwichtig

Warum ist Talent unwichtig und wie mache ich das Beste daraus, wenn ich nicht wirklich talentiert bin?

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Sandro Gass: Hallo, Hans, guten Morgen!

Hans Hendricks: Guten Morgen, Sandro!

Gass: Wir wollen heute noch mal über die EGNOKA-Akademie sprechen. Und meine Frage ist auf jeden Fall dahingehend: Warum soll ich an der EGNOKA-Akademie überhaupt anfangen zu trainieren? Du hast irgendwann mal gesagt, Talent sei etwas, was manchmal vielleicht doch etwas überbewertet wird!

Die drei Gruppen von Talenten in der Kampfkunst, Yoga und Qigong

Hendricks: Ja, ich sehe: Talent in der Kampfkunst ist etwas, was natürlich sehr schön ist, wenn man anfängt, wenn man leicht lernt und hat das Gefühl, wow, das geht ja richtig ab! Das ist dann Talent im Kampfsport. Und es gibt die andere Gruppe von Menschen, die haben eher das Gefühl: Na ja, ob ich das überhaupt schaffe und ob ich das hinkriege, na, ich probiere es mal! Das sind so, sagen wir mal, 90 Prozent der Menschen.

Und dann gibt es natürlich noch eine dritte Gruppe, das ist die Gruppe, die wirklich – in Anführungszeichen – nicht talentiert ist für Kampfsport und die es sehr schwer hat, die ist möglicherweise so groß wie die Talentgruppe. Die Talentgruppe ist recht klein, die so im Mittelbereich liegen, sind recht groß, und dann gibt es den Bereich, die wirkliche Probleme haben Kung Fu zu erlernen und die sehr, sehr viel Unterstützung brauchen.

In der Kampfkunst wirklich erfolgreich zu sein in dem, was man macht, ist nicht das Talent entscheidend, sondern ist eine ganz andere Ebene entscheidend, nämlich die Ebene, ob ich es denn wirklich auch durchhalte.

In aller Regel, wenn ich mit Kampfsport oder Kung Fu anfange, ob ich nun talentiert bin oder nicht talentiert bin, die erste Phase ist ja die Spaßphase. Da fühlt jeder, es ist toll, Kampfkunst zu machen, oder es ist toll, Yoga zu machen, Qigong, es ist super, du hast tolle Erfahrungen, neue Erlebnisse. Aber so nach einer gewissen Zeit, das ist abhängig, so nach drei, vier Monaten, sechs Monaten, dann beginnt …

Gass: Dann sich das Ganze wieder ein bisschen …

Wie schaffe ich es im Kampfsport, Yoga oder Qigong am Ball zu bleiben

Hendricks: Genau, dann beginnt das so ein bisschen, Alltag zu werden. Und das ist die Ebene, wo du anfängst, dich in den Kampfsport einzuarbeiten. Da fängt – in Anführungszeichen – die Arbeit an. Da, wo es nicht unbedingt jedes Mal Spaß macht. Und dann hat man auch nicht immer das Gefühl, ich mache wirkliche Fortschritte, sondern das bleibt irgendwie alles so stehen, das geht nicht so weiter, ich glaube, ich brauch was Neues.

Das ist ungefähr vergleichbar mit jemandem, der nach Wasser gräbt. Das Wasser liegt bei 60 Meter. Die ersten 20 Meter schafft jeder. Die zweiten 20 Meter, die schaffen einige. Und die dritten 20 Meter, die schaffen nur wenige. Und so ist diese Frequenz. Und die meisten schaffen es, fünfmal 20 Meter zu graben, aber die Wenigsten schaffen es, einmal 60 Meter zu graben.

Gass: Kommen nicht an die Quelle, ja.

Hendricks: Also, deswegen: Das Talent ist eine absolut überbewertete Sache, nicht nur in der Kampfkunst, auch in der Erfahrung, die ich gemacht habe. Ich habe viele Schüler, die 100 Prozent talentiert waren und trotzdem aufgehört haben, und ich habe noch Schüler, die eben nicht mit diesen absoluten Idealvoraussetzungen reingegangen sind, die aber durchgehalten haben und heute die Ernte aus dem Kampfsport tragen, und das Wasser strömt. Die haben die tollen Erfahrungen und genießen die Effekte, wie Selbstvertrauen.

Gass: Okay, das ist so ein bisschen die Beschreibung, wie es jetzt so ist, wie du es oft beobachtet hast in den letzten Jahren. Was kannst du denn den Schülern mit an die Hand geben, dass sie diese zweite Etappe und die dritte Etappe bis zum Wasser gerade tatsächlich schaffen? Was kann man denn selbst auch vielleicht tun?

Welche Rolle spielt meine Erwartung im Kampfsport oder anderen SportArten

Hendricks: Das Erste, was man tun sollte: Man sollte die Erwartungen nicht zu hoch stecken und die Anforderungen an sich selbst auch nicht zu hoch stecken. Wenn jemand anfängt und sagt, ich will schon viermal die Woche Kampfsport machen, dann sage ich schon: Vergiss es! Einmal die Woche reicht völlig aus! Setze deine Ziele nicht zu hoch, sondern setze Etappenziele, sodass du einen Schritt nach dem anderen erreichst. Und beginne darüber hinaus nach Möglichkeit zum Beispiel mit einem kleinen einminütigen Übungsprogramm zu Hause, was du jeden Tag praktizierst.

Da gibt es die Zauberformel 1 Minute aus dem Yoga zum Beispiel bei uns, wo man mit einer Eine-Minute-Übung anfängt und die so lange macht, bis sie so stabil ist, dass man Lust bekommt, die zweite Minute zu machen. Und ehe du die Lust nicht bekommst, machst du einfach keine zweite Minute.

Ich selber mache die Erfahrung: Wenn ich morgens meine Yoga-Übungen mache, am Anfang weiß ich, Mensch, wenn ich eine neue Übung dazu nehme, tut erst mal weh, die ist erst mal anstrengend. Aber ich gehe jedes Mal nur zu dem Punkt, wo es anstrengend wird, und dann höre ich einfach auf.

Und wenn du durch diese Phase durchgegangen bist, dann kommst du in die nächste Phase, nämlich in die Phase, wo es beginnt, wirklich Spaß zu machen. Dann machst du die Übung so, als wenn du Hunger hättest. Du gehst einfach hin und machst das. Und das passiert auch, wenn ich, angenommen, Yoga mache oder Qi Gong mache.

Diese Phase in der Mitte zu durchlaufen, bis in die Endphase zu gehen und die Früchte zu ernten … Das Wasser muss ins Fließen kommen, ich möchte es trinken und ich möchte nicht nur davon träumen, dass es da ist. Und dafür ist es einfach nötig, an die 60-Meter-Grenze zu gehen!